56plus
Dienstag, 28. Juli 2026
  --- Besuchen Sie unser neues Informationsportal wodsch.de
Uhr


 
Seniorenbüro Freiburg legt „Sozialplanung für Ältere“ vor
Zahl der Pflegebedürftigen steigt deutlich. Wohnraum für Pflegekräfte dringend gesucht. Ohne Kräfte aus dem Ausland geht es nicht

Die Beratung des Seniorenbüros über Angebote und Leistungen ist für alle Freiburger*innen kostenlos

Freiburg wird älter: Im Jahr 2045 werden hier voraussichtlich 47.500 Menschen im Alter ab 65 Jahren leben; 16.600 davon werden sogar 85 oder älter sein. Das heißt: die Zahl der Über-65-Jährigen steigt im Vergleich zu heute um elf Prozent, die der Über-85-Jährigen sogar um ein Viertel. Damit wächst auch die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich – und zwar um 15 Prozent auf über 11.000 Personen.

Freiburg wird älter – und seine Verwaltung stellt sich darauf ein. Der erste Schritt dafür ist eine gründliche Sozialplanung, die anhand von Statistiken, Beratungen und Gremienbeschlüssen die Bedarfe eruiert. Das dafür zuständige Seniorenbüro mit Pflegestützpunkt hat nun im Gemeinderat seine „Sozialplanung für Ältere“ eingebracht. In diesem Bericht stellt es die Bevölkerungs- und Pflegevorausberechnung bis 2045 vor und richtet seinen Blick auf fehlende Angebote. Der Bericht ist auf www.freiburg.de/senioren frei einsehbar und kommt zu eindeutigen Ergebnissen.

Oberstes Ergebnis: Die Pflegesituation in Deutschland spitzt sich weiter zu, das ist auch in Freiburg deutlich zu spüren. Hauptgrund ist, dass die Pflegebetreiber Schwierigkeiten haben, Personal zu gewinnen und zu halten. Aus Personalmangel müssen Pflegedienste schon Touren einstellen und Pflegeheime können nicht alle Plätze belegen.

Diese Situation wird sich weiter verschärfen, weil viele Pflegekräfte in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen. Menschen, die nach Deutschland kommen, um in der Pflege zu arbeiten, sind zu einer tragenden Säule geworden. Die Betriebe stecken viel Aufwand in die Integration ausländischer Fachkräfte und in die Wohnraumsuche für ihre Beschäftigten.

Da gerade Wohnraum für die Personalgewinnung von zentraler Bedeutung ist, unterstützt das Seniorenbüro die Wohnraumsuche seit 2023 mit der Kampagne „Wir brauchen PFLEGE – PFLEGE braucht Wohnraum“. Deren Erfolge können sich sehen lassen; bisher wurden über 40 Wohnungen und Zimmer vermittelt. Bei vielen Wohnungen konnten mehrere Pflegekräfte einziehen. Im August geht nun eine neue Vermittlungsplattform für Vermietende und Pflegekräfte der beteiligten Arbeitgeber an den Start. Damit können Wohnungen und WG-Zimmer schnell und unkompliziert vermittelt werden. Die Stadtgesellschaft kann unterstützen, etwa indem sie Wohnraum zur Verfügung stellt. Weitere Informationen stehen auf
www.pflege-in-freiburg.de/wohnraumkampagne.

Wohnraum ist aber nicht nur für Pflegekräfte, sondern auch für Menschen im Alter knapp. Da es nicht genug barrierearme und bezahlbare Wohnungen gibt, können Ältere ihren Wohnsitz nicht verkleinern bzw. müssen länger darin wohnen bleiben. Daher befürwortet die Stadtverwaltung Konzepte, die Wohnen mit einem Betreuungsangebot verbinden. Neue Projekte dieser Art sind aktuell in den Stadtteilen Mooswald und Stühlinger in Planung.

Insgesamt sind die Einflussmöglichkeiten einer Stadtverwaltung zwar begrenzt: Es fehlt an gesetzlichen Vorgaben für die Sozialplanung, und die Finanzierung der Pflegeangebote läuft ausschließlich über die Pflegekassen. Die vorhandenen Spielräume nutzen die Stadtverwaltung und ihr Seniorenbüro aber mit einem Bündel an Maßnahmen.

Zentral dabei ist der Austausch mit Pflegeträgern und Planungsämtern. Für neue Stadtteile, zum Beispiel Dietenbach, gibt es schon konkrete Planungen für Wohn- und Pflegeangebote für ältere Menschen. Auch das Thema Barrierefreiheit spielt hier eine wichtige Rolle. Bei konkreten Bauvorhaben berät das Seniorenbüro Bauträger, Wohnungsgenossenschaften und Investoren, damit auch für Menschen im Alter bedarfsgerechte Angebote entstehen. Bei der Vergabe städtischer Grundstücke wird geprüft, ob Pflegeangebote bei der Ausschreibung vorgesehen werden können.

Die Beratung des Seniorenbüros mit Pflegestützpunkt (Fehrenbachallee 12, Tel. 0761 201-3032, seniorenbuero@freiburg.de) über Angebote und Leistungen steht allen Freiburger*innen zur Verfügung. Wichtig ist, sich frühzeitig zu informieren und auch Vorsorgeregelungen zu treffen. Denn wer zu lange wartet und erst Hilfen organisiert, wenn eine akute Pflegesituation vorliegt, wird es schwer haben, zeitnahe Hilfe zu finden.

Das Seniorenbüro appelliert auch an Angehörige, nicht bis an den Rand der Erschöpfung zu warten. Vielmehr sollten sie frühzeitig nach Unterstützung von außen suchen, um für den Akutfall gewappnet zu sein – und auch frühzeitig überlegen, wen es im Umfeld gibt, der Hilfe anbieten kann. Viele scheuen sich, Nachbarn oder Freunde um Hilfe im Alltag zu bitten. Wenn professionelle Dienste an ihre Grenzen kommen, wird das Ehrenamt aber immer wichtiger. In der Beratung kann das Seniorenbüro auch alternative Hilfen, Freistellungsmöglichkeiten für Angehörige oder Möglichkeiten der Aufwandsentschädigung für Ehrenamtliche aufzeigen.

Daneben übernimmt das Seniorenbüro auch weitere Aufgaben. Regelmäßig organisiert es Austausche mit den Anbietern im Senioren- und Pflegebereich. Dank des Kontaktes mit Älteren und Pflegebedürftigen kann gut ermittelt werden, was in Freiburg fehlt und welche Angebote es zusätzlich braucht. Aus diesem Grund ist das Seniorenbüro auch mit der „Sozialplanung für Ältere“ betraut. Dazu gehört, regelmäßig alle bestehenden und geplanten Angebote zu erfassen und mit den Bedarfen abzugleichen. Der nun vorgelegte Bericht ist eine wichtige Etappe auf diesem Weg.
Mehr
Eintrag vom: 28.07.2026  




zurück
prolix_anzeige_subculture_2.jpg
vorderhaus.jpg



Copyright 2010 - 2026 B. Jäger